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Vor 50 Jahren beim Rennsteiglauf

12.03.2026

Nach unserem 2. Helauf gibt es bereits die ersten Überlegungen für eine Fortsetzung im kommenden Jahr. So entstehen Traditionen.
Eine viel größerer Lauf mit einer weitaus umfangreicheren Tradition ist zweifelsohne der GutsMuths-Rennsteiglauf.
Von Hans-Georg Kremer, der den mittlerweile größten Landschaftslauf Deutschlands mit begründet hat, stammt der folgende Beitrag, den wir hier gern veröffentlichen. Dem Autor haben wir auch Dank seiner Recherchen viele Informationen zur Weimarer Sporthistorie und speziell auch zu unserer Vereinsgeschichte zu verdanken.

Vor 50 Jahren beim Rennsteiglauf (I)
Der IV. GutsMuths-Rennsteiglauf 1976 ist eigentlich erst der „richtige“ Vorfahre des heutigen Laufs. Bis noch im Herbst 1975 waren die Organisatoren um den Gesamtleiter von 1975 davon ausgegangen, dass die Ursprungsidee erhalten bleibt. Diese bestand darin, dass ein möglichst langes Stück des damals zugängigen Rennsteigs bei einem Ultralauf  absolviert werden sollte. Angestrebt waren 100 Kilometer, da aber sowohl am Anfang als auch am Ende Teile des Rennsteigs durch das Grenzgebiet der DDR zur BRD nicht passiert werden durften, und weil der Traditionsbezug zum „Namenspatron Johann Christoph GutsMuths“ eine Rolle spielte, war daraus ein Lauf vom Heuberghaus bis nach Neuhaus über ca. 82 Kilometer entstanden.

Nachdem der III. GutsMuths-Gedenklauf, wie er damals noch hieß, mit über 800 Läuferinnen und Läufern im Ziel ein großer Erfolg wurde, gab es bereits unmittelbar danach mehrere negative Vorzeichen für eine weitere Entwicklung. Die Friedrich-Schiller-Universität Jena und deren Hochschulsportgemeinschaft stiegen offiziell als Veranstalter und Hauptorganisator aus. Hintergrund war das zwar überschaubare aber trotzdem schmerzhafte Defizit von knapp 3.000 Mark aber vor allem, die Aussagen der Sportführung der DDR in Berlin und des zuständigen Ministeriums für die Uni, dass so ein Lauf als nationale oder sogar internationale Veranstaltung nicht gebraucht würde. Nach einer Rundfrage des Gesamtleiters unter den 10 mitorganisierenden Sportgemeinschaften waren alle, bis auf Neuhaus, für eine Weiterführung des Laufs.

Eine für DDR-Verhältnisse im Sport ungewöhnliche Konstruktion wurde am 9. November 1975 die Interessengemeinschaft „GutsMuths-Rennsteiglauf“ im Jugendklub Goldlauter gegründet. Bernd Will von der SG Beerberg Goldlauter wurde als Gesamtleiter gewonnen, der bisherige Gesamtleiter, Herbert Weiß, ebenfalls aus Goldlauter blieb Technischer Leiter und der bisherige Gesamtleiter Hans-Georg Kremer (Uni Jena) übernahm des Resort Agitation und Propaganda, heute würde man Öffentlichkeitsarbeit dazu sagen. In einer gleichzeitig verabschiedeten Ausschreibung war für 1976 ein Lauf, analog 1975 mit dem Start am Heuberghaus geplant. Als Zielort war allerdings Steinheid vorgesehen, da der DTSB-Kreisvorstand Neuhaus nicht mehr mitmachen wollte. Als zweiter Startort für eine kürzere Strecke, vor allem für Frauen und ältere Läufer, war Schmiedefeld vorgesehen. Insgesamt sollten ca. 2.000 Startkarten vergeben werden.

 
Vor 50 Jahren beim Rennsteiglauf (I)
Bernd Will und Herbert Weiß (Fotosammlung Kremer)

Vor 50 Jahren beim Rennsteiglauf (I)
Hans-Georg Kremer (rechts) 1975 beim Interview mit dem DDR-Fernsehen (Foto Hengelhaupt)


Es kam dann aber ganz anders!!!
Bernd Will, damals Lehrkraft an der Kreisparteischule der SED, hatte Ende 1975 Anfang 1976 mit der Sportführung des Bezirkes Suhl (Bezirksvorstand des DTSB) verhandelt und diese überzeugt, dass dieser den Rennsteiglauf als Veranstalter übernimmt und die SG Beerberg Goldlauter mit der Leitung beauftragt. Voraussetzung war allerdings, dass sich daraus keinerlei finanzielle Verpflichtungen ergeben. Heiner Liebig, Vorsitzender des DTSB-Bezirksvorstandes, übernahm die Schirmherrschaft, die bis dahin Prof. Dr. Willi Schröder aus Jena innehatte.

Bernd Will setzte den Wunsch, der wohl auch seinen Intentionen entsprach, durch, das Ziel nahe von Goldlauter-Heidersbach einzurichten. Dort gab es ein Segelflugausbildungszentrum der GST (Gesellschaft für Sport und Technik) mit der nötigen Infrastruktur. Dem widersprachen allerdings alle „Sportfachleute“, da es vom Rennsteig bis nach Heidersbach fast 500 Höhenmeter je nach Streckenführung mehrere Kilometer steil bergab gehen würde. Am Ende einigte man sich auf das Ziel auf dem Sportplatz in Schmiedefeld, womit die Geburtsstunde des „Schönsten Ziels der Welt“ vor 50 Jahren in die Annalen des Rennsteiglaufs einging. Bekanntgegeben wurde dies am 30. Januar 1976 in einer dreiseitigen Presseinformation von Bernd Will.

Vor 50 Jahren beim Rennsteiglauf (I) Vor 50 Jahren beim Rennsteiglauf (I) Vor 50 Jahren beim Rennsteiglauf (I)

Dr. Hans-Georg Kremer

Weitere Informationen für unsere Läufer: 53. GutsMuths-Rennsteiglauf am 09. Mai 2026



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